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Mitteilungen aus Weiherfeld-Dammerstock
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BNN: Schockierte Reaktionen auf Fällaktion
BNN Karlsruhe, Donnerstag, 12. August 2026, Seite 25
Eine Reihe riesiger Pappeln ist umgesägt und abtransportiert: Was ist da los am Weiherfeld?
Von Kirsten Etzold

An der Wehrastraße am Rand des Karlsruher Stadtteils Weiherfeld ist eine Reihe hoher dicker Pappeln gefällt worden. Foto: Kirsten Etzold
Karlsruhe. Das Pappellaub am abgeschlagenen Ast zittert noch im Wind. Aber die Arbeiter kommen näher mit großem Gerät. Von der mächtigen Baumreihe am Rand des Stadtteils Weiherfeld ist am Dienstagmittag nur noch wenig übrig. Meterdicke Baumstümpfe sind an der Wehrastraße letzte Zeugen der ortsbildprägenden, weithin sichtbaren Pappeln. Das zuständige Landesamt ließ mehr als zehn Pappeln auf dem Gegenufer des Wehragrabens in Landesdomäne am Samstag fällen. Das kam nicht nur für die Anwohner völlig überraschend.
„Durch die Dimension der Bäume bestand eine unmittelbare Gefahr."
Dagmar Menzenbach, Amt Karlsruhe Vermögen und Bau
So massiv der Eingriff, so heftig sind auch die Reaktionen. Betroffene Beobachter des Geschehens wenden sich auch an unsere Redaktion. Valentin Heid ist einer der Anwohner. „Viele Leute vor Ort sind fassungslos stehen geblieben“, berichtet Heid. „Ich kann sagen, dass wir geschockt sind und die Fällungen für alle überraschend kamen.“ Die Bäume seien „wie eine Art Wahrzeichen von Weiherfeld“ gewesen, sagt er, und: „Fällungen in der Schonzeit Februar bis Oktober sind ja sehr ungewöhnlich.“
Angekündigt war das massive Abholzen nicht, eine Mitteilung zu der großen Baumfällaktion gibt das zuständige Amt Karlsruhe Vermögen und Bau Baden-Württemberg erst am Montagmittag heraus. Der wichtigste Satz, den Dagmar Menzenbach, Leiterin des Amtes Karlsruhe Vermögen und Bau Baden-Württemberg, mitteilt, ist: „Durch die Dimension der Bäume bestand eine unmittelbare Gefahr für den Anwohnerverkehr sowie die Bebauung entlang der Wehrastraße.“
Ein Pilz, der die Wurzeln und den unteren Stammbereich von Pappeln befällt, ist an der Wehrastraße zum Problem geworden. Einen Baum aus der Reihe hatte der Parasit so geschwächt, dass er vor einiger Zeit durch Wurzelversagen aufs angrenzende Feld stürzte. Das Landesamt ließ daraufhin die übrigen Bäume der Reihe untersuchen. Der Befund: ebenfalls Pilzbefall. „Um Schäden zu vermeiden“, habe das Land die Fällung der Bäume veranlasst. Eiskalt erwischt hat die Aktion auch Wolfgang Seilstorfer vom Vorstand des Bürgervereins Weiherfeld-Dammerstock. Nur einem der Baumstümpfe sieht er einen Schaden an. Seilstorfer hat bei den Verantwortlichen im Landesamt nachgefragt und detailliertere Antwort erhalten. Die Gefährdung der Bäume könne nicht allein durch die Schnittflächen der Stammabschnitte nachgewiesen werden, es gehe um Pilzbefall am Stammfuß und die Holzzersetzung in den Wurzeln.
Die Pappelreihe an der Wehrastraße befallen habe der Lackporling am Stammfuß, der die Wurzeln der Bäume schwäche. Der Pilz, ein aggressiver Holzzersetzer, könne sich über Jahre ohne äußere Anzeichen ausbreiten. Erst wenn das weit fortgeschritten sei, werde der typische schirmförmige Hut am Stammfuß sichtbar. Der Zersetzungsgrad der Wurzeln könne unterschiedlich sein.
Welche Pappel als nächstes umgeweht würde, hinge ab von der Windgeschwindigkeit, der Windrichtung und dem Zersetzungsgrad ihrer Wurzeln. Das Amt habe einen Sachverständigen hinzugezogen, er habe die sofortige Fällung empfohlen. Die Sicherheit der Anwohner sei vorrangig.
Wolfgang Seilstorfer vom Bürgerverein stellt das nicht zufrieden. „Wenn der Sachverständige die sofortige Fällung empfiehlt“, sagt er, „ist trotz allem das Bundesnaturschutzgesetz zu beachten.“ Bäume zu fällen, sei bis 30. September verboten: „Nur wenn Gefahr in Verzug ist, ist eine Fällung erlaubt.“ Aufgrund der Wetterlage seien, so Seilstorfer, „keine vergleichbaren Winde zu erwarten wie die, die den Baum zum Umsturz brachten“.
Eine andere Sorge hat Lothar Werner, im Bürgerverein Weiherfeld-Dammerstock seit 2012 Ehrenvorsitzender. Er wohnt in der Wehrastraße direkt gegenüber der kapitalen Esche, die jetzt allein am Feld steht, ohne benachbarte Pappeln. Erkennbar habe die Esche eine erhebliche Wuchsneigung zur Straße und den Anwesen gegenüber. Dürre Äste habe sie auch im höheren Baumbereich. Der Baum sei nun erhöhten Windlasten ausgesetzt.
Zuständig für diesen Baum ist die Stadt, und ein Vor-Ort-Termin zur Besichtigung schon am Mittwochmorgen ergibt: Das städtische Tiefbauamt wird die Krone der mächtigen Esche um etwa ein Drittel reduzieren.
Und auch das Landesamt gibt Auskunft, wie es weitergeht. „Für das Spätjahr ist geplant“, teilt die Amtsleiterin Dagmar Menzenbach mit, „die entnommenen Bäume nachzupflanzen.“ Ein anderes Bild als bisher wird es sein, schon wegen der Wuchshöhe.
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