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29.04.2026

BNN: Widerstand entlang der geplanten Gütertrasse Karlsruhe-Mannheim wächst

BNN Karlsruhe, 27. Apr 2026  |  10:05 Uhr

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In Karlsruhe versammeln sich Betroffene im Rahmen von „Sag’s Annika“. Bürgervereine, Gewerbe und Anwohner fordern statt offener Tieflage einen Tunnel und sammeln bereits Unterschriften.
Von Stefan Proetel, Annika Abendschön 

Viele Menschen stehen auf einem Parkplatz in Weiherfeld im Kreis beisammen.

An sieben Orten entlang der geplanten Gütertrasse hat Helmut Rempp (rote Jacke) von der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine Termine organisiert. Es kamen Anwohner, Politiker, Gewerbetreibende und weitere Interessierte. Rechts vorn BNN-Autorin Annika Abendschön. Foto: Stefan Proetel

 

Aus Sicht der Deutschen Bundesbahn ist Karlsruhe ein störender Riegel: Die Stadt schmiegt sich im Westen an den Rhein, im Osten an und in die Ausläufer des Nordschwarzwalds. Dennoch muss hier eine neue Güterzugtrasse durch, ein kleiner Teil der Magistrale Rotterdam–Genua.

Die Bahn hat sich im vergangenen November auf den Streckenverlauf von Mannheim nach Karlsruhe festgelegt. Damit ist auch klar, wie sich das Unternehmen den Korridor durch Karlsruhe vorstellt.

Die Bahn hat der Streckenvariante die Bezeichnung R4 gegeben. R4 wird Karlsruhe in offener Trogbauweise durchqueren: tiefergelegt also, aber sicht- und hörbar. Das wird Folgen haben: für die Menschen, die an der Route leben, arbeiten, Geschäfte machen oder Erholung suchen. An sieben Stellen in der Stadt hat sich die Redaktion im Rahmen der Aktion „Sag’s Annika“ mit Betroffenen getroffen, ihnen zugehört und ihre Befürchtungen aufgenommen.

Streckenführung R4 Trogvariante
Die Trogvariante R4 soll südlich von Mannheim in Richtung Karlsruhe verlaufen. Ab Forst folgt sie der A5 und bindet schließlich an den Güterbahnhof am Karlsruher Hbf an. An sieben Orten haben die BNN mit Betroffenen gesprochen. Foto: BNN-Infografik / Quelle: Deutsche Bahn

 

Vermittelt hat die Treffen Helmut Rempp. Er ist Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine und hat sich in den vergangenen Jahren, seit Bekanntwerden der Bahn-Pläne, tief in das Thema eingefuchst.

Die kleine Reise der Redaktion entlang der geplanten Bahnstrecke beginnt im Norden an der A5 und endet in Oberreut. Niemand, mit dem die Redaktion gesprochen hat, ist gegen den Ausbau des Güterzugverkehrs. Aber alle fordern, dass die Bahn in Karlsruhe das „Schutzgut Mensch“ beachtet.

Die Strecke R4 soll südlich von Mannheim-Friedrichsfeld in Richtung Schwetzingen verlaufen. Sie führt weiter gebündelt mit bestehenden Bahnstrecken über Hockenheim und Waghäusel bis Wiesental. Bei Forst schwenkt die Trasse schließlich in Richtung Süden zur A5, der sie bis Karlsruhe folgt. Dort bindet sie an den Güterbahnhof am Hbf an.

Hagsfeld, Gewerbegebiet Roßweid: Firmengelände in Gefahr

In 30 Meter Entfernung donnern die schwergewichtigen Beweise in hoher Taktung vorbei. Die Beweise, dass es sinnvoll ist, mehr, viel mehr Güter auf die Schiene zu bringen. Denn vor allem die Laster machen hier die Musik, und die ist laut.

Ortstermin im Gewerbegebiet Roßweid östlich von Hagsfeld. Das Grundstück der Knirsch Kraftfahrzeuge GmbH geht am stärksten auf Tuchfühlung mit der A5. Hinter der Halle, auf dem Park-, Lager- und Rangierplatz, wird eindrücklich klar, was die Pläne der Bahn bedeuten. Geschäftsführer Andreas Knirsch sagt es so: „Das Gelände hier wird unbrauchbar.“

Die Bahn braucht Platz, um das Vorhaben zu realisieren. Heißt: Wo jetzt Anhänger und Fahrerkabinen abgestellt sind, sollen einmal Güterzüge unterwegs sein. Viele Güterzüge, geschätzt rund 280 am Tag. Zudem soll die unter der Verkehrslast ächzende A5 von sechs auf acht Fahrbahnen ausgebaut werden.

Mehrere Männer und Frauen stehen auf einem Platz vor einem Kleinbus und zwei Lastern.

Ortstermin im Gewerbegebiet Roßweid im Osten von Hagsfeld: Helmut Rempp (von links), Thorsten Selzer, Marlies Pirlich, Annika Abendschön, Andrea Genthner, Andreas Knirsch und Reimund Horzel. Foto: Stefan Proetel

Neben Knirsch sind auch Andrea Genthner von der gleichnamigen Montage-, Verpackungs- und Transportfirma sowie Thorsten Selzer von Reifen Gablenz zum Termin mit „Sag’s Annika“ gekommen. Sie sagen, dass sie sich in ihrer Existenz gefährdet fühlen, selbst wenn sie ein Ersatzgrundstück bekämen. „Wir müssten von vorn anfangen, die Kunden gehen nicht mit“, sagt Selzer. Genthner argumentiert mit der Autobahnnähe. Zeitverluste dürfe es keine geben.

Die Stadt soll mit uns kämpfen, unsere Interessen wahrnehmen und durchsetzen!
Andreas Knirsch
Martin Knirsch Kraftfahrzeuge

Andreas Knirsch ist enttäuscht, dass die Bahn mit der Thematik noch nicht auf ihn zugekommen ist. „Das darf man im Nachgang zu Stuttgart 21 erwarten“, sagt der Unternehmer. Seine Erwartungen richtet er an die Stadt: „Die Stadt soll mit uns kämpfen, unsere Interessen wahrnehmen und durchsetzen!“ Sie soll also dabei helfen, die geplante Bahnstrecke in einen Tunnel zu bringen.

Elfmorgenbruch: Waldverlust auf 100 Meter Breite?

Eineinhalb Kilometer südlich beginnt ein kleines Waldstück. Steht man in der Mitte des grünen Paradieses, ist der A5-Sound nur noch dezente Hintergrundmusik. Den Ton geben die Tiere des Waldes an, allen voran Singvögel in Frühlingslaune. Der Elfmorgenbruch ist Landschaftsschutzgebiet. An seiner östlichen Seite müsste die Bahn Bäume fällen, um Platz für die neue Trasse zu schaffen.

Eine Gruppe aus Männern und Frauen steht an einem Parkplatz im Wald zusammen und lauscht einem Mann, der etwas erklärt.

Helmut Rempp (in der Mitte links hinten) und Ulrich Kienzler (daneben) erklären im Elfmorgenbruch besorgten Bürgerinnen und Bürgern die Pläne der Bahn und mögliche Auswirkungen auf den Wald. Foto: Stefan Proetel

Besorgte Karlsruherinnen und Karlsruher stehen beim Vorort-Termin am BNN-Bus und lauschen mit ernsten Mienen den Ausführungen von Helmut Rempp. Er präsentiert Fakten zu dem DB-Großprojekt: Historie, Längen, Varianten, Beschlüsse.

Beim Thema Wald steigt Ulrich Kienzler mit ein. Der frühere Forstamtschef und jetzige Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Oberrheinische Waldfreunde betont, dass die Stadt Karlsruhe (Fläche: 17.500 Hektar) seit ihrer Gründung vor 311 Jahren bereits 2.000 Hektar Land verloren habe.

Ein Bach fließt durch einen Wald.

Das Landschaftsschutzgebiet Elfmorgenbruch ist gefährdet: Wer genau hinschaut, sieht am Ende des Gewässers einen Laster auf der A5 vorbeifahren. Am Rand der Autobahn soll die Bahntrasse R4 verlaufen. Foto: Stefan Proetel

Sorgen macht sich Kienzler auch um den Oberfüllbruch zwischen Gewerbegebiet Roßweid und Stutensee-Staffort: „Die Trasse würde die Wälder massiv leiden lassen.“ Da die Bahn zusätzlich einen Sicherheitsabstand von einer Baumlänge zur Trasse einplant, könne es zu einem Waldverlust auf 100 Meter Breite kommen. Die Wälder seien mit ihren Amphibien, Spinnen und unbekannten Arten ökologisch sehr hochwertig. Kienzlers Forderung: „Tunnel!“

Durlach-Center: Viele Parkplätze würden wegfallen

Der Elfmorgenbruch grenzt im Süden unmittelbar an das Areal des Durlach Centers. Bahnplanerisch wird es hier besonders eng. Die Trasse soll in einer leichten Rechtskurve in Tieflage unter den Zu- und Abfahrten zur A5 hindurch. Denkbar, dass hier sogar die Gebäudestruktur am östlichen Ende des Gebäudekomplexes betroffen wäre. Zumindest die Parkflächen müssten auf jeden Fall weichen.

Mehrere Personen stehen in einer Gruppe zusammen.

Diskussion am Durlach Center: Edmund Haug (von links), Monika Haug, Marlies Pirlich, Walter Resch, Helmut Rempp, Stefan Proetel, Harald Wochner. Foto: Annika Abendschön

Kleine Straße auf dem Gelände eines Einkaufszentrums.

Am Durlach Center wird es besonders eng. Hier muss die geplante Bahnstrecke entlang der Autobahn nach rechts schwenken und unter der Durlacher Allee hindurch. Foto: Stefan Proetel

Monika Haug ist Vorsitzende der Bürgergemeinschaft Untermühl- und Dornwaldsiedlung – und Kundin im Durlach Center. Das Einkaufszentrum habe eine überregionale Bedeutung. Für die Menschen in den beiden Durlacher Ortsteilen sei es zum Durlach Center wesentlich näher als nach Durlach hinein. Und sie befürchtet, dass durch den Bau der Trasse der Karlsruher Landgraben parallel zur Durlacher Allee seine Funktionsfähigkeit einbüßen könnte.

Auch Marlies Pirlich von der Bürgergesellschaft Südstadt ist zum Durlach Center gekommen. Schon jetzt, sagt sie, sei der Bahnlärm in ihrem Stadtteil deutlich zu hören. Wie es einmal werden könnte, will sie sich nicht ausmalen.

Kleingartenanlage Mastweide: Dem Verein und dem Gelände droht das Aus

Gut 150 Meter südlich, auf der anderen Seite der Durlacher Allee, sitzen an einem sonnigen Mittag neun Menschen um einen Tisch im Kleingartenverein Mastweide. Unter ihnen der jüngste und der älteste Kleingartenbesitzer. „Hier finden Jung und Alt, Vierbeiner, Obst und Gemüse ihr Zuhause“, heißt es online. Die Anlage gibt es seit 1920. 180 Gärten beherbergen etwa 230 Mitglieder.

Ich sag’s Ihnen mal so: Wenn hier zwei Gleise durchgehen, dann haben Sie gar nichts mehr.
Helmut Rempp
Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine

Manfred Heid ist seit zehn Jahren Vorsitzender. Rempp hat ihn über die Situation informiert. Und die bedeutet konkret: Die geplante Trasse soll unter dem Autobahnanschluss, diagonal über den Sportplatz verlaufen. Stromleitungen müssten umgelegt werden.

Ein Mann erklärt Frauen und Männern, die rund um einen Tisch sitzen, etwas. Er zeigt dabei auf einen Plan.

Helmut Rempp informiert Mitglieder des Kleingartenvereins Mastweide über die Pläne der Bahn. In den Gesichtern spiegeln sich Fassungslosigkeit und Betroffenheit. Foto: Stefan Proetel

„Ich habe einen Kleingarten, um mich zurückzuziehen und in der Natur zu sein, dann hätte man zehn Jahre nur Lärm“, sagt Mandy Kretzschmar, die selbst einen Kleingarten an der Mastweide besitzt. Rempp entgegnet ihr: „Ich sag’s Ihnen mal so: Wenn hier zwei Gleise durchgehen, dann haben Sie gar nichts mehr.“

Manfred Heid sorgt sich um das Gemeinschaftsgefühl, den Verein als grüne Oase und eben auch um sein Geschäft: „Wenn ich einem neuen Pächter sage, hier wird fünf bis zehn Jahre gebaut, drehen die sich um und gehen.“

Gelände eines Gartenbauvereins unter blauem Himmel mit Schleierwolken.

Wenn die Güterzugtrasse hier nicht im Tunnel verläuft, ist die Anlage des Kleingartenvereins Mastweide zwischen A5, Durlacher Allee und den Gleisen zwischen Karlsruhe und Durlach wohl Geschichte. Foto: Stefan Proetel

Er liest eine Stellungnahme von Pasquale Lüthin vor, der aufgrund eines Berlin-Aufenthalts nicht anwesend sein kann. Lüthin ist Vorsitzender im Verband der Kleingartenvereine Karlsruhe und spricht sich ausdrücklich für die Tunnellösung aus. „Für die Untertunnelung setzen wir uns gemeinsam ein“, bekräftigt Heid die Stellungnahme. Rempp hält fest, dass alle Anwesenden zustimmen. Ein Infoabend soll im nächsten Schritt weitere Klarheit für alle Kleingartenbesitzer Mastweide bringen.

Weiherfeld: Bürger sorgen sich um ihre Lebensqualität

In Weiherfeld ist es ruhig. Auf dem Belchenplatz stehen etwa 40 Menschen im Kreis, einer von ihnen spricht, bis er unterbrochen wird. „Lassen wir das doch einfach auf uns wirken“, sagt Helmut Rempp. „Wie bitte? Ich verstehe sie nicht“, ruft ihm eine Frau entgegen, die nur wenige Schritte entfernt steht.

Der Lärm kommt von einem Güterzug, der oberhalb des Belchenplatzes über die Gleise Weiherfeld passiert. In der Vergangenheit hat der Güterverkehr bereits für Ärger bei den Anwohnern gesorgt. Walter Vögele berichtete 2025 etwa, wie Autofahrer, Radfahrer und Fußgänger lange Standzeiten vor gesenkter Schranke in Kauf nehmen müssen, weil Güterzüge bis zu 40 Minuten auf das Einfahrsignal am Karlsruher Bahnhof warten und so die Gleise blockieren.

Diese Sorge rückt nun in den Hintergrund: In Zukunft soll hier alle sechs bis acht Minuten ein Güterzug durch den Ort fahren. Die Züge werden dann nicht nur mehr, sondern auch länger.

„Die Frage ist nicht, ob der Verkehr von der Straße auf die Gleise soll. Wir sind für die Verlagerung, wir wollen nur die Höhe verändern. Und zwar durch den Tunnel unter der Erde“, sagt Helmut Rempp. Mit Joachim Hornuff, ebenfalls im Vorstand der Arbeitsgemeinschaft Karlsruher Bürgervereine, geht er in Weiherfeld ins Gespräch. Seit 2020 sind beide in die Planungsgespräche der DB involviert.

Mehrere Personen stehen auf einem Parkplatz und lauschen einem Mann.

Auch in Weiherfeld blicken die Menschen mit großen Sorgen in die Zukunft. Vor allem am Belchenplatz würde die schon jetzt belastende Situation durch Bahnlärm weiter an Brisanz gewinnen. Foto: Stefan Proetel

Im Vorfeld hat er sämtliche Bürgervereine und Gewerbetreibende informiert, die von dem Bau der Deutschen Bahn betroffen sein würden. Viele von ihnen wussten vor seiner Nachricht nichts von den Plänen.

Durch die Untertunnelung könnten die Lärmbelästigung deutlich reduziert und Wohngebiete oberirdisch unangetastet bleiben. 2022 hat sich der Gemeinderat bereits für diese Variante eingesetzt. Wegen zu hoher Kosten sei der Vorschlag versandet, so Rempp.

Auch Christian Klinkhardt ist in seiner Position als Stadtrat und Mitglied der Grünen Fraktion vor Ort. Er geht mit den Bürgern ins Gespräch, hört sich die Sorgen an und teilt seine Kritik an den Plänen der DB. Gleichzeitig äußert er Zweifel an der Realisierung einer Untertunnelung: „Wir müssen alles gesamtheitlich betrachten: Umwelt, Kosten, Zeit und die Umsetzung. Was ist realistisch?“

Die Deutsche Bahn scheint sich dessen schon sicherer zu sein. Die Pläne werden nach jahrelangen Abwägungen mit der Vorzugsvariante R4 nun immer konkreter. Im November 2025 hat die DB diese als beste Lösung vorgestellt. Entscheidend für den weiteren Weg zur Durchsetzung sei jetzt die Zugzahlenprognose für 2040, die laut DB im Sommer 2026 erwartet wird.

Danach läge die Entscheidung beim Bundestag in Berlin, erklärt Rempp den Anwohnern und Bürgervereinsmitgliedern. Das wäre voraussichtlich im Herbst 2026. Selbst laut zu werden und sich für die Untertunnelung stark zu machen, sei daher besonders wichtig.

Als Paradebeispiel nennt er Offenburg: 2016 hat der Bundestag nach den jahrelangen Protesten einer Bürgerinitiative der Untertunnelung zugestimmt. Geplant war zuvor ein sechs Meter hoher Lärmschutzwall durch die gesamte Stadt und das Abreißen sämtlicher angrenzender Häuser. 2028 soll der Bau des Güterzugtunnels in Offenburg beginnen.

Wir sollten das nicht allein der Politik überlassen, Bürgerinitiativen bieten eine breite Öffentlichkeit.
Sabine Weschenfelder
Anwohnerin Weiherfeld

Die Zahl der Züge, die mit der geplanten Variante pro Tag durch das Wohngebiet fahren würden, schätzt Joachim Hornuff auf etwa 280, 90 Prozent reiner Transitverkehr.

Sabine Weschenfelder wohnt mit ihrem Mann in Weiherfeld, beide sind Mitglieder im Bürgerverein: „Wir sollten das nicht allein der Politik überlassen, Bürgerinitiativen bieten eine breite Öffentlichkeit“, sagt sie.

Einige Wochen nach dem Treffen am Belchenplatz wendet sie sich mit Neuigkeiten an diese Redaktion: Gemeinsam mit Claus Schottmüller habe sie die Bürgerinitiative „Lärmschutz Güterverkehr Weiherfeld-Dammerstock“ (Kontakt: bi.laermschutz.wd@gmail.com) ins Leben gerufen. Mit Joachim Hornuff und Helmut Rempp stehen sie in engem Austausch, auch der erste Infoabend habe bereits stattgefunden.

Die Mitglieder informieren und unterstützen sich in WhatsApp- und Facebookgruppen. Zusammen gehen sie auf die Stadt zu und wollen die Informationen über das Bahnprojekt verstärkt nach außen tragen.

Bulach: Lärm, Zugänge zur Naherholung, Radverkehr

Weiherfeld und Bulach trennt eine mehr als 200 Meter breite Schneise mit unzähligen Gleisen und einer großen Werkstatt der Bahn. Es ist auch der Bereich, an dem sich die Bestandsstrecke teilt, in Richtung Ettlingen und in Richtung Durmersheim.

Die Pläne der Bahn verunsichern folglich auch hier die Menschen. „Wir haben selbstverständlich nichts gegen die Trasse und den Zugverkehr“, sagt Andreas Bieberstein, „aber wir wollen nicht, dass die Züge über unsere Bestandsstrecken rumeiern.“ Dem Vorsitzenden des Bürgervereins Bulach und den Menschen im Stadtteil geht es um die Themen Lärm, den Zugang zum Naherholungsgebiet Weiherwald, um den Radverkehr, um Rückstaus an Bahnübergängen.

Mehrere Menschen stehen in einem Kreis und lauschen einem Mann.

Ein Güterzug fährt vorbei, als Helmut Rempp (rote Jacke) Bürgerinnen und Bürgern in Bulach die Pläne der Bahn vorstellt. Foto: Stefan Proetel

Bulach war schon einmal betroffen.
Sabine Notter
Anwohnerin Bulach

37 von ihnen sind zu dem Vororttermin mit der Redaktion gekommen – an einem normalen Dienstagnachmittag. Sabine Notter ist eine davon. „Bulach war schon einmal betroffen“, sagt sie und erklärt, was sie damit meint. Durch den Bau der Südtangente sei der Stadtteil abgeschnitten worden.

 

Auch CDU-Stadtrat Tobias Bunk hört den besorgten Menschen genau zu. Seine Botschaft: Die Fraktionen im Gemeinderat sind sich einig, dass es in Karlsruhe einen Tunnel braucht.

Oberreut: Bewohner des Neubaus der Volkswohnung wären dem Lärm besonders ausgesetzt

Am Güterbahnhof soll die Trasse an die bestehenden Bahnstrecken in Richtung Süden nach Ettlingen und Durmersheim angebunden werden. Neben Weiherfeld-Dammerstock und Beiertheim-Bulach wären hier auch Rüppurr und Oberreut betroffen.

Frederick Kassnel ist zweiter Vorsitzender des Bürgervereins Oberreut. Er sieht den Bau als besonders kritisch für die Bewohner des Neubau-Quartiers der Volkswohnung in der Woerishofferstraße. Seit 2024 leben in den 173 Wohnungen Menschen.

Vier, fünf Züge okay, aber irgendwann hat man auch keinen entspannten Tag mehr.
Frederick Kassnel
Bürgerverein Oberreut

Aktuell sind die Bewohner dem Lärm der angrenzenden Baustelle für einen Kindergarten ausgesetzt. Dieser soll 2027 fertiggestellt werden, sagt Kassnel. Mit dem Bau der Gütertrasse könnte es direkt weitergehen.

„Vier, fünf Züge okay, aber irgendwann hat man auch keinen entspannten Tag mehr“, sagt Kassnel. Er hat hier ebenfalls den Kleingartenverein auf der anderen Seite der Gleise hinter der Lärmschutzwand im Blick. Als Gartenbesitzer weiß er, welche Auswirkung vorbeifahrender Güterverkehr auf die Ruhe dort hat.

Drei Männer auf einem Weg zwischen kahlen Bäumen, einer in roter Jacke mit dem Rücken zur Kamera, zwei schauen nach links

Stefan Proetel (von links), Frederick Kassnel und Helmut Rempp blicken über die Gleise auf die Kleingartenanlage, die unmittelbar vom Lärm der passierenden Güterzüge betroffen wäre. Foto: Annika Abendschön

Von den Anwohnern des Neubau-Quartiers selbst hat es am Nachmittag niemand zum Treffen mit Frederick Kassnel und Helmut Rempp geschafft. Die Volkswohnung meldet sich auf Anfrage dieser Redaktion: „Aufgrund der Lärmbelastung durch die im Südosten verlaufende Güterverkehr-Bahntrasse wurden in der Woerishofferstraße bereits mehrere hundert Meter Lärmschutzwall und -wand errichtet“, heißt es zunächst.

„Ganz grundsätzlich liegen Infrastrukturprojekte der Bahn aber außerhalb unseres Einflussbereichs, daher können wir hierzu keine relevante Position einnehmen oder potenzielle Entwicklungen einschätzen. Insofern sind wir in der Rolle der Beobachterin und behalten die Entwicklungen im Blick“, sagt Pia Hesselschwerdt von der Pressestelle weiter.

Über 600 Unterschriften und 16 Stellungnahmen aus verschiedenen Ortsteilen

Helmut Rempp holt bei jeder Verabschiedung vor Ort ein Stimmungsbild ein: Sind also alle für die Untertunnelung? Wer von Ihnen sammelt Telefonnummern für eine WhatsApp-Gruppe? Er fordert Widerstand, Bürgerinitiativen und ein Aktivwerden. „Es liegt an Ihnen, Ihre Stimme zu erheben und sich zu organisieren. Und zwar nicht nur jetzt von zwei bis drei Uhr“, sagt Rempp in Weiherfeld. Die dort entstandene Bürgerinitiative zeigt, dass die klaren Worte wirken.

600 Unterschriften sind hier (Stand 23. April) bereits für die Untertunnelung zusammengekommen, sagt Rempp auf Anfrage. Aus den Vor-Ort-Terminen liegen ihm bislang 16 Stellungnahmen vor, um die Stadtverwaltung in der weiteren Vorgehensweise zu unterstützen. Am Dienstag, dem 28. April, wird der Bahnausbau ebenfalls Thema der öffentlichen Gemeinderatssitzung sein. Danach möchte er die Kontaktaufnahme nach Berlin anstoßen.




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